Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Claudia Bockholt zum Israel-Schwerpunkt der Leipziger Buchmesse
(ots) - Es gibt ganz kurze Momente, da meint man, Kunst
könne wirklich die Welt verändern. Eine hübsche Utopie, die sich im
politischen Tagesgeschäft meist schnell verflüchtigt. Am Dienstag
wird in Israel ein neues Parlament gewählt. Ob Hardliner Benjamin
Netanjahu oder Izchak Herzog und sein linkes Bündnis die neue
Regierung stellen, das entscheidet die Mehrheit an den Urnen und
nicht eine Handvoll Dichter und Denker. Der Leipziger
Messeschwerpunkt zu den deutsch--israelischen Beziehungen hat dennoch
über den literarischen Mehrwert hinaus einen hohen politischen
Wirkungsgrad. Er richtet die Aufmerksamkeit auf eine Beziehung, die
eigentlich gar nicht sein kann. Seit dem 12. Mai 1965 arbeiteten die
Israelis daran, ihr Misstrauen gegenüber den Mördern zu überwinden.
Die Deutschen bekannten sich - vielleicht gelegentlich
zähneknirschend, am Ende jedoch ohne Wenn und Aber - zu Schuld und
Verantwortung. "Normal", hat Amos Oz in einem Essay geschrieben,
könne und dürfe die Beziehung zwischen den Ländern niemals werden.
Sie ist das Produkt unablässiger Bemühung, Dialogbereitschaft und
eines Vertrauens, das von beiden Seiten regelmäßig als Vorschuss
gewährt werden muss - etwa wenn erneut Krieg in Gaza ausbricht oder
in Deutschland Neonazis öffentlich den Arm nach oben recken. Wer
Bücher liest oder schreibt, sagt Amos Oz, begibt sich auf eine Reise
in den Kopf eines Fremden. Und wenn die Reise zu Ende ist, ist der
andere kein Fremder mehr. Viele erfolgreiche Bücher haben den
Deutschen die Verfasstheit und Befindlichkeit der Juden und des
Staates Israel nähergebracht - umgekehrt gilt dasselbe. Literatur ist
ein immerwährender Dialog. Wer ins Gespräch kommt und im Gespräch
bleibt, braucht meistens keine schärferen Waffen als das Wort.
Angesichts der zahllosen Krisenherde auf der Welt kann die
gewachsene, respektvolle Freundschaft mit Israel uns nur mit Stolz
und auch ein wenig Hoffnung erfüllen. Zeigt sie doch, dass selbst in
unlösbar scheinenden Konflikten noch Wunder möglich sind.
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Datum: 13.03.2015 - 21:19 Uhr
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